Kastration - Muss das sein?

13. Oktober 2014

Bei vielen unserer Haustiere – vor allem Hund, Katze, Kaninchen und Meerschweinchen – stellt sich spätestens bei Erreichen der Geschlechtsreife die Frage: Soll ich mein Tier kastrieren lassen, ist das überhaupt nötig?

Was soll mit der Kastration erreicht werden?

Zunächst einmal wird das betroffene Tier durch das Entfernen der Hoden bzw. Eierstöcke unfruchtbar gemacht und hiermit unerwünschter Nachwuchs verhindert. Außerdem sinkt der Spiegel der männlichen bzw. weiblichen Geschlechtshormone stark ab, was Auswirkungen auf den Körper wie auch das Verhalten der Tiere hat. Allgemein gilt, dass kastrierte Tiere leichter zunehmen. Sexualtrieb-abhängiges und Dominanz-Verhalten werden geringer, die Tiere dadurch oft ausgeglichener.

Für die verschiedenen Tierarten gilt im Einzelnen:

Katze:

Unkastrierte, geschlechtsreife Kater markieren bis auf wenige Ausnahmen mit ihrem streng riechenden Urin ihre Umgebung. Diesen Geruch halten die wenigsten Katzenbesitzer in ihrer Wohnung aus. Freilaufende unkastrierte Kater durchstreifen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen weit größere Territorien mit viel mehr Straßen. Unfälle, dauernde Bissverletzungen beim ewigen Kampf ums Weib und Ansteckung mit Infektionserkrankungen wie Leukose oder Katzen-Aids (FIV) sind häufig.

Unkastrierte Weibchen werden immer wieder rollig, d.h. paarungsbereit und drücken dies lautstark durch Schreien, Gurren, Rollen und eventuell auch frustbedingte Unsauberkeit oder Aggressivität aus. Wohnungstiere neigen dabei zur Bildung von Eierstockszysten, die wieder Dauer-Rolligkeiten und Gebärmutter-Entzündungen hervorrufen können. Unkastrierte Katzen bekommen wesentlich häufiger Gesäuge-Tumoren.

Für freilebende unkastrierte Kater und Katzen gilt, dass sie durch unerwünschte Vermehrung zum Elend der herrenlosen Katzen beitragen.

Hunde:

Da Hunde eher im ständigen Zugriff ihrer Besitzer sind, sollte (!) unerwünschte Vermehrung kein Thema sein. Leider stimmt das nicht immer, denn der eine oder andere Hund büxt dann doch aus und schert sich einen Dreck um das, was Herrchen oder Frauchen wollen.

Rüden sind manchmal leichter zu erziehen, wenn sie kastriert sind. Sie zeigen weniger Aggressivität gegenüber anderen männlichen Artgenossen.

Kastrierte Hündinnen werden nicht mehr läufig, was oft eine deutliche hygienische Erleichterung ist. Außerdem wird der Spaziergang nicht mehr zweimal im Jahr zum Spießrutenlauf. Hündinnen bekommen früh kastriert wesentlich seltener Gesäuge-Tumoren. Manche werden allerdings in späteren Jahren inkontinent. Dagegen gibt es Tabletten, wünschenswert ist es natürlich trotzdem nicht-

Eine Hündin oder einen Rüden zu kastrieren ist deshalb nicht zwingend geboten, sondern sollte im Einzelfall entschieden werden.

Kaninchen:

Wer Kaninchen artgemäß, also nicht als Einzeltier, halten möchte, kommt ums Kastrieren selten herum.

Früh kastrierte Böcke, die von klein auf zusammenleben, können (!) miteinander dauerhaft klar kommen, riskant ist es aber immer. Unkastrierte geschlechtsreife Kaninchenböcke können sich gegenseitig bis zu lebensgefährliche Verletzungen zuführen.

Die Standard-Paarung ist also kastrierter Bock/Weibchen.

Immer mehr wird auch die Kastration von Weibchen empfohlen, weil diese während Brunft und Scheinträchtigkeit oft ziemlich zickig zu Partner wie auch Mensch sein können. Außerdem haben sie eine Neigung zu Gebärmutter-Tumoren.

Meerschweinchen:

Unkastrierte Böcke, die von klein auf zusammenleben, können sich dauerhaft verstehen, eine Garantie gibt es auch hier nicht. Kastriert werden Böckchen, damit sie im Idealfall mit mehreren Weibchen in einem kleinen Rudel zusammenleben können, ohne für fulminante Vermehrungsraten zu sorgen.

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