Hund und Katze im Alter

01. Februar 2013

Wann ist ein Hund oder eine Katze eigentlich alt? Dies hängt von der Rasse und Größe des Tieres ab.

Katzen können 15-18 Jahre alt werden, manchmal auch älter. Bei Hunden ist die Lebenserwartung von großen Hunden bei 9-11 Jahren, kleine Hunde wie Yorkshire Terrier können durchaus auch 16 Jahre alt werden.  Alt ist ein Tier, das etwa 75 % seiner Lebenserwartung erreicht hat, also mit 7-12 Jahren. In der Tiermedizin wird Alter ab 7 Jahre definiert.

Alte Tiere sind ruhiger, sie schlafen mehr. Beim Hund sehen Sie möglicherweise, dass sein Fell v.a. im Gesicht immer grauer wird. Die Tiere sehen und hören weniger, werden leichter dick.  In unbekannten Situationen sind sie weniger anpassungsfähig.

 

Mit zunehmendem Alter finden in den Tieren Prozesse statt, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten führen.

Häufig auftretende Probleme sind Arthrosen und Bandscheibenprobleme, Zahn- bzw. Zahnfleischerkrankungen, Herzleistungsschwächen, Tumoren, Verdauungsstörungen aufgrund von Bauchspeicheldrüsen-, Leber- oder Magen-Darm-Erkrankungen,

Nierenprobleme, Prostata- oder Gebärmutterveränderungen, hormonelle Störungen wie Schilddrüsenunterfunktion beim Hund oder Überfunktion bei der Katze, Störungen der Sehkraft durch grauen Star und zunehmende Taubheit.

Darüber hinaus finden wir Veränderungen im Verhalten, die Parallelen zur Altersdemenz bei Menschen aufweisen. Dazu gehören Unruhe, gestörte Tag-Nacht-Rhythmen mit nächtlichem Umherwandern, Unsauberkeit und Orientierungsstörungen.

 

Ich möchte Ihnen einige Hinweise für einen Alters-Check UP geben. Hiermit können Sie bei Ihrem Hund oder ihrer Katze leichter erkennen, ob Ihr Tier krank ist und Hilfe braucht oder einfach nur alt geworden ist.

Ist die Katze unsauber, weil sie ein Blasenproblem hat?

Beißt der Hund beim Anfassen, weil er Schmerzen hat?

Ist Ihr Hund nachts unruhig, weil er herzkrank ist?

Dies sind Beispiele dafür, wie schwer oft „ein bisschen senil“ von „krank“ zu unterscheiden ist.

Lassen Sie uns deshalb vor unserem geistigen Auge einmal Ihr Tier anschauen:

1. Verhalten:

Betrachten Sie Abweichungen vom Ihnen gewohnten Verhalten Ihres Hundes oder Ihrer Katze:

Schläft die Katze noch mehr als üblich? Zieht sie sich zurück? Jammert sie immer wieder? Liegt sie entspannt oder eher gekrümmt? Wirken ihre Augen ganz groß? Begrüßt Ihr Hund sie wie gewohnt oder wedelt er nur schwach mit dem Schwanz?

Das alles können Anzeichen für Schmerzen sein.

2. Futter-/Wasseraufnahme:

Hat das Tier einen gesteigerten oder auch verminderten Appetit oder Durst?

Kaut es gleichmäßig auf beiden Seiten oder hält es beim Kauen den Kopf leicht schief? Dies könnten Zahnschmerzen sein!

Schluckt es normal oder mit Schwierigkeiten? Erbricht es immer wieder? Vermehrter Durst und häufigeres Erbrechen können Anzeichen für Nierenerkrankungen sein!

3. Kotabsatz:

Hat es Durchfall oder Verstopfungsprobleme? Ist vermehrt Schleim oder gar Blut auf dem Kot? Bauchspeicheldrüsenprobleme können eine Ursache sein!

Hat es Schmerzen beim Kotabsatz? Denken Sie an die Analdrüsen oder beim Rüden an Perianaltumoren um den After!

4. Harnabsatz:

Setzt es große Urin-Seen ab oder muss es sich mehrfach hintereinander entleeren? Jammert es beim Urinabsatz? Sehen Sie blutigen Urin? Oder sehen Sie etwa gar keinen Urin trotz heftigen Pressens? Hier kommen Blasenentzündungen, Blasensteine oder gar Tumore in Frage!

5. Körpergewicht:

Nimmt Ihre Katze auffällig ab trotz Heißhungers? (Schilddrüsenüberfunktion!)

Nimmt Ihr Hund auffällig zu, obwohl er nicht viel frisst? (Schilddrüsenunterfunktion!)

6. Atmung:

Hechelt Ihr Hund auffällig stark? Atmet er sehr schwer? Hustet er vor allem nachts? Niest die Katze häufig? Hier ist neben Erkältungen vor allem auch an Herzprobleme zu denken!

7. Haut/Fell/Gesäuge:

Hat das Tier vermehrten Haarausfall und starke Schuppenbildung (hormonelle Störungen!), Juckreiz, Pusteln? (Parasiten!)

Ertasten Sie Knoten in der Haut oder am Gesäuge? (Tumoren)

8. Bewegung:

Steht Ihr Tier schwer auf und braucht eine Zeitlang, bis es sich eingelaufen hat?(Arthrosen)

Lahmt es irgendwo? Zeigt es einen steifen Gang? Schleift es die Zehen auf dem Boden? Geht es mit gekrümmtem Rücken?(Bandscheiben!)

9. Augen:

Tränen die Augen vermehrt? Sieht die Hornhaut grau und glanzlos aus? Kneift das Tier ein Auge zu? Vermeidet es Lichteinfall?, Ist die Pupille grau? (Linsentrübung, Aderhautentzündungen)

10. Ohren:

Schüttelt Ihr Tier dauernd mit dem Kopf? Hält es den Kopf schief? Hat es Schmerzen beim Anfassen eines Ohres? Sehen Sie Ausfluss aus dem Ohr? (Ohrentzündungen)

11. Mundhöhle:

Stinkt Ihr Tier massiv aus dem Maul? Sind die Zähne braun? (Zahnstein, faule Zähne)

 

Wenn Sie beim Durchgehen dieser Untersuchungen auf auffällige Befunde gestoßen sind, dann macht es auf jeden Fall Sinn, Ihre Tierarztpraxis aufzusuchen und Ihr Tier untersuchen zu lassen. Seien Sie im Fall von „blindem Alarm“ einfach froh, mit einer guten Nachricht nach Hause zu gehen. Im anderen Fall gibt es bestimmt viele Möglichkeiten, Ihr Tier zu heilen oder zumindest seine Lebensqualität zu erhalten.

Hier dürfen wir uns fragen, was Lebensqualität bedeutet:

Sie bedeutet, Freude am Leben zu haben, zufrieden zu sein, ein erfülltes soziales Miteinander zu erleben. Dies kann auch mit körperlichen Einschränkungen der Fall sein. Lebensqualität muss man individuell definieren. Hierfür kann ich Ihnen ein Beispiel nennen:

Beispiel Blindheit: Wir kennen Hunde oder Katzen, die trotz einer Erblindung ein offensichtlich zufriedenes Leben führen, Spaß am Spaziergang und am Miteinander mit ihren Besitzern haben. Sie schaffen es, sich auf ihre verbliebenen Sinne zu konzentrieren und lassen im Alltag die Blindheit in den Hintergrund treten. Diese Tiere haben sicher noch Lebensqualität.

Leider schaffen nicht alle Tiere dies. Manche werden massiv unruhig und schreckhaft, fressen nicht mehr, verstecken sich, stoßen überall an und schaffen eine Umgewöhnung auch nach längerer Zeit nicht. Sind diese Tiere zufrieden? Erleben Sie noch ein erfülltes soziales Miteinander? Ich denke nicht.

Oder das Beispiel Schmerzen: Jedes alte Tier hat mal einen schlechten Tag, und manchmal auch mehrere hintereinander. Da können wir helfen und lindern. Wenn der Schmerz aber dauerhaft so stark ist, dass das Tier nur noch leidet, dann fehlt die Lebensqualität.

Wir sollten mit allen Mitteln versuchen, den Tieren ihre Lebensqualität zu erhalten. Ist dies nicht mehr möglich und ein weiteres Leben nur unter großen Qualen möglich, dann sollten wir aber auch den letzten Gang der Euthanasie mit ihnen zusammen gehen.

Damit dies aber bei Ihrem Tier noch möglichst lange auf sich warten lässt, möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps zur Gesundheitsvorsorge bei Ihrem Liebling geben:

1. Beschäftigen Sie den Geist Ihres Hundes oder Ihrer Katze auch im Alter. Das Einüben kleiner Kunststückchen und Wiederholen von „Benimm-Regeln“ sorgt für Hirn-Fitness.

Manchmal verjüngt auch ein 2., jüngerer Hund des Senior. Ein allzu wilder Geselle kann den alten Hund aber auch ganz schön nerven

2. Achten Sie auf das Gewicht Ihres Tieres. Alte Tiere brauchen oft nur noch 75 % der gewohnten Kalorienmenge.

3. Gehen Sie regelmäßig mit Ihrem Senior-Hund spazieren. Bewegung tut gut. Vermeiden Sie aber Überbelastungen wie Gewaltmärsche am Wochenende.

4. Gönnen Sie ihrem Tier auch seine Ruhepausen, es braucht einfach mehr Schlaf.

5. Lassen Sie bei Ihrem Tierarzt oder ihrer Tierärztin einen regelmäßigen Gesundheits-Check vornehmen. Dies kann jährlich im Zusammenhang mit der jeweiligen Impfung stattfinden, im Falle von bereits aufgetretenen Erkrankungen auch häufiger. Hierbei ist mit zunehmendem Alter auch eine regelmäßige Blutuntersuchung sinnvoll. Sie kann besonders zur Früherkennung von Krankheiten von Nieren und Leber etc. beitragen. Weitere Untersuchungen wie Röntgen, EKG, Ultraschall etc. können dann je nach Befund der allgemeinen Untersuchung angefügt werden.

 

 

 

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